Bio-CNG: Selbst erzeugt, selbst vertankt

Die Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs ist nur mit Elektromotoren nicht zu erreichen, davon ist Roland Grundmann, Leiter Energie, Handel und Vertrieb der Exeler Agrarservice GmbH & Co. KG, überzeugt. Weil der Landwirtschaftsbetrieb mit zahlreichen verschiedenen Geschäftszweigen die Treibhausgasemissionen seiner insgesamt 30 Lkw dennoch deutlich reduzieren möchte, setzt das Unternehmen auf Bio-CNG. Aus selbst erzeugtem Biomethan, vertankt an den eigenen Tankstellen.

2 Anlagen, 2 Wege

Exeler betreibt in Rheine 2 Biomethan-Erzeugungsanlagen, eine am Standort Kanalhafen, eine weitere im Industriegebiet am Offenbergweg in Rheine. Das dort erzeugte Gas wurde bisher auf 2 Arten genutzt: Biogas aus Rinder-, Hähnchen- und Schweinemist bzw. Gülle sowie NawaRo wird über eine separate Biogasleitung durch die Stadt Rheine gedrückt. Aus dem Biogas wird dann mittels mehrerer Blockheizkraftwerke (BHKW) an einigen Standorten Wärme für Kunden vor Ort und Strom für die allgemeine Stromversorgung erzeugt. Zu den Kunden zählen sowohl öffentliche Einrichtungen, Gewerbebetriebe, Soziale Einrichtungen wie auch landwirtschaftliche Betriebe.

Der 2. Verwertungspfad bedient die Aufbereitung des Biogases zu Biomethan (Erdgasqualität). Um hier am Kraftstoffmarkt teilnehmen zu dürfen, besteht das gereinigte Gas ausschließlich aus Reststoffen (Gülle und Mist). Dieses Gas wird über die bmp greengas GmbH an kommunale Tankstellen vermarktet. Das Vermarktungsunternehmen unterstützt auch bei der Versorgung der Gastankstellen, bei der Anmeldung und allen weiteren Schritten der THG-Quote.

Neuer Weg, neue Unabhängigkeit

Das Konzept wird nun um einen 3. Nutzungszweig erweitert: Exeler produziert Bio-CNG für den Betrieb der eigenen Lkw und die der beauftragten Subunternehmen. Andreas Exeler, Geschäftsführer, erzählt: „Wir erzeugen das Gas bereits seit vielen Jahren selbst. Warum also nicht auch an unseren Standorten Tankstellen betreiben und so den Fuhrpark dekarbonisieren? Wir wollen zeigen, dass das funktioniert.“

Inzwischen ist die 1. von insgesamt 3 geplanten Tankstellen am Kanalhafen eröffnet und Exeler somit schon unabhängiger von den Entwicklungen am Energiemarkt. Auch dem Ziel, ab dem 3. Quartal 2026 keine fossilen Energieträger mehr in der Mobilität zu nutzen, ist man ein großes Stück nähergekommen. „Wir können jetzt 8 Lkw direkt hintereinander betanken, wobei ein Lkw unter 8 Minuten benötigt. Das wäre mit Elektromotoren nicht zu schaffen – abgesehen davon, dass das Stromnetz in der Region komplett überlastet wäre, wenn alle Landwirte und Spediteure das täten“, erläutert Roland Grundmann.

Exeler Bio-CNG Eigene Tankstellen Fuhrpark
2 Biomethan-Anlagen

in Rheine
aus eigenem Biomethan
1 von 3 eröffnet

betankt 8 Lkw am Stück

je unter 8 Minuten
30 eigene Lkw plus Subunternehmer

Ziel Exeler: ab Q3 2026 keine fossilen Energieträger mehr in der Mobilität

PS, Reichweite, Verfügbarkeit

Neben den eigenen Lkw wird auch der Zu- und Ablieferverkehr der beauftragten Subunternehmer an den Exeler-Tankstellen versorgt. So müssen zum Beispiel die Gärsubstrate der Biogasanlagen aus dem westfälischen Rheine nach Thüringen gebracht werden – über die Kasseler Berge. Grundmann sagt: „Unsere Lkw fahren immer voll beladen und schaffen es trotz steiler Steigung und starkem Gefälle mit nur 1 Bio-CNG-Füllung hin und zurück.“

Davon sind auch die sonst so kritischen Fahrer begeistert. „Aus unserer Sicht gibt es für Spediteure oder Unternehmen mit starkem Lieferverkehr keinen Grund, nicht auf Bio-CNG zu setzen. Es gibt CNG-Lkw mit ausreichend PS und Reichweite, die Verfügbarkeit von Biomethan ist sehr gut und auch das Tankstellennetz ist inzwischen in der notwendigen Dichte vorhanden. Bei den aktuellen Dieselpreisen kann man sicher zwischen 1.000 € und 2.000 € pro Lkw und Monat günstiger fahren“, rechnet Andreas Exeler vor.

Glühbirne mit Blatt weiß

Exeler spart aktuell bis zu

0 €

pro Lkw pro Monat

Nachfrage nach Bio-CNG weiter gering

Trotzdem stagniert die Nachfrage nach Bio-CNG, beobachtet Simon Hassmann von bmp greengas die Entwicklung. „Für Biomethan-Produzenten ist der Kraftstoffmarkt attraktiv. Damit sich Bio-CNG für Inverkehrbringer wie Tankstellenbetreiber lohnt, brauchen sie einen stabilen Absatzmarkt, bestenfalls Speditionen oder einen angebundenen Fuhrpark mit Tageslogistik. Außerdem beeinflusst auch der THG-Quotenpreis einen attraktiven Biomethan-Preis.“

Die Verunsicherung in der Logistik sei allerdings historisch gewachsen: „Vor wenigen Jahren wurden Erdgas-betriebene Lkw noch von der Maut befreit, da haben viele Unternehmen investiert. Dann wurde vor allem auf Elektromobilität gesetzt und der Einsatz von Bio-CNG oder Bio-LNG nicht mehr belohnt.

Heute ist vieles anders: Es gibt ausgereifte Lkw, die erforderlichen Biomethan-Mengen und ein gut aufgestelltes Tankstellennetz. Es gibt also keinen Grund für die Zurückhaltung.“

So sieht man es auch bei Exeler, wo aufgrund der eigenen positiven Erfahrungen jetzt Überzeugungsarbeit für Bio-CNG bei Sub- und Logistikunternehmen geleistet wird. Das gelingt auch mithilfe der angebotenen Probefahrten mit einem Bio-CNG-betriebenen Vorführ-Lkw. „Die Fahrer sind immer positiv überrascht von der modernen, verlässlichen und kraftvollen Technik“, berichtet Roland Grundmann.

Bio-CNG als Wachstumschance

Den Weg, den der Landwirtschaftsbetrieb eingeschlagen hat, sieht er also positiv: „Exeler ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie der Betrieb eigener Bio-CNG-Tankstellen ein zusätzliches Standbein für Biomethan-Produzenten schaffen kann. Wir unterstützen sowohl bei der Vermarktung als auch bei der Abwicklung der THG-Quote und den dazugehörigen Zertifikaten.“

Darüber hinaus ist bmp greengas zur Stelle, wenn Produzenten ihre Kapazitäten ausbauen und Übermengen anfallen, wenn sie bei der Strukturierung von Mengen oder der administrativen Quotenabwicklung Unterstützung brauchen. Auch ein Qualitätstausch und damit die jederzeitige Belieferung mit dem passenden Tankstellenprodukt ist möglich – selbst wenn die Biomethan-Anlage zum Beispiel Biomethan aus NawaRo für den EEG-Markt produziert.

„Wir beobachten, dass immer mehr Produzenten auf eigene Tankstellen setzen, um neben der Erzeugung weiterer Biomethan-Qualitäten eine stabile Erlössäule aufzubauen. Das ist für Produzenten, Spediteure und Unternehmen mit hohem Lieferaufkommen eine interessante Option.“

Simon Hassmann

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